Eine Perle der Industrielandschaft

Die Aufsichtsrätin und Vertreterin der Gründerfamilie Edith Sandvoss hat den Weg des Unternehmens mehr als 60 Jahre aus nächster Nähe beobachtet, begleitet und mitgestaltet – auch den Beginn der neuen Ära, die für SAMSON mit dem Projekt MainChange und dem neuen Produktionsstandort in Offenbach startet. Ein Gespräch über das unternehmerische Erbe, die Verbundenheit mit den Mitarbeitenden und SAMSONs Zukunft.


‚Ich bin beim SAMSON.’ Es berührt mich immer sehr, wenn die Mitarbeitenden das sagen.

Edith Sandvoss, Aufsichtsrätin bis 2024 und Vertreterin der Gründerfamilie

Wann haben Sie zum ersten Mal von MainChange gehört?

Edith Sandvoss: Im Aufsichtsrat, als wir diskutiert haben, ob wir das machen wollen. Es ging immerhin um eine sehr große Investition. Aber wir zögerten nicht lange, bevor wir zustimmten. Wir hatten entsprechende Rücklagen, was natürlich Sicherheiten geboten hat. Das Grundstück ist riesig, dafür muss man viel Mut aufbringen.

Waren Sie gar nicht wehmütig?

Edith Sandvoss: Ja natürlich, aber der Schritt war dringend notwendig, denn die Fertigung war nicht mehr wirtschaftlich. Ein Ventil war auf dem Frankfurter Firmengelände elf Kilometer unterwegs. Das ist unmöglich angesichts des heutigen Konkurrenzkampfes. Man musste aber auch bereit sein zu diesem Schritt. Natürlich steckt auch Wehmut darin. Ich denke an die Anfänge vor mehr als 100 Jahren in einem kleinen Backsteingebäude, im Giebel ein Bild des biblischen Helden Samson im Jugendstil und vor dem Haus eine Magnolie, die so viele Generationen von Mitarbeitenden erfreut hat. Ein Stück Geschichte findet sein Ende. Aber in der Industrie hat weder Sentimentalität noch Wehmut einen Platz. Es entscheidet allein die wirtschaftliche Zukunft der Firma.

Was ist Ihnen seitdem besonders in Erinnerung geblieben?

Edith Sandvoss: Unter glühend heißer Sonne fand der Spatenstich statt. Es war ein besonderer Moment, der unterschiedliche Gedanken auslöste. Man vertraute darauf, dass der Vorstand unter Andreas Widl gute Pläne erarbeitet hat. Die Welt war schon damals ein unsicherer Ort geworden. SAMSON schaut trotz allem positiv in die Zukunft, wir haben auch schon manches andere geschafft.


Edith Sandvoss im Portrait

Edith Sandvoss wurde 1938 in Stuttgart geboren. Als junge Frau träumte sie von einer Ausbildung zur Innenarchitektin, der Vater wollte aber nicht, dass die Tochter dafür auf dem Bau arbeitet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie als Au-pair nach England. Nachmittags besuchte sie die Sprachkurse der University of Oxford in London. Nach der Rückkehr aus England arbeitete sie bei der Sandvoss GmbH in Stuttgart, davon zwei Jahre für ihren Ehemann Rolf Sandvoss – den Großneffen des Firmengründers Hermann Sandvoss –, der als Aufsichtsratsvorsitzender der SAMSON AG den internationalen Aufstieg prägte. Seit dem Tod ihres Mannes im Dezember 2014 und bis zu ihrem Ausscheiden 2024 mit 86 Jahren war sie Aufsichtsratsmitglied. Ihr lagen die von ihrem Mann gelebte SAMSON-Kultur sowie deren Erhalt und Fortsetzung immer am Herzen. Sie ist Gründerin der Rolf-und-Edith-Sandvoss-Stiftung, die die Weiterbildung junger Menschen fördert.